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20.11.17

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Anlässlich der jährlichen Gedenkveranstaltungen
hat jeweils die Presse berichtet - hier einige Zeitungsausschnitte:

                         

                        

                             

               

      
                  

Siegener Zeitung:

Kuhmichel-Statue mahnt: »Erinnerung öffnet die Augen« 
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Kranzniederlegung und Gedenkstunde an dem Kreisehrenmal in Gosenbach 2005

ch Gosenbach. Ein trüber Novembertag, dieser Volkstrauertag. Kahle Bäume säumten die Kreisehrengedenkstätte in Gosenbach. Es regnete in Strömen. Dennoch: Dutzende kamen auch gestern wieder, um den Toten der beiden Weltkriege und den Opfern der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft zu gedenken. Unter den Augen des »Wächters aus Stein« – einer Statue des Eiserfelder Künstlers Hermann Kuhmichel, die seit kurzem über die Stätte wacht – erlebten sie eine Kranzniederlegung und eine kleine Gedenkstunde wider das Vergessen des massenhaften Sterbens in Schützengräben und Gaskammern.
Missbrauch einer ganzen Generation
Der Volkstrauertag: Ein Gedenktag, der sich mit dem Blick in die Vergangenheit und mit zunehmenden Abstand vom Krieg zum Tag der traurigen Erinnerung wandelt – das ist er den vielen noch lebenden Hinterbliebenen und der Geschichte schuldig. Ein Gedenktag, der mit Blick in die Gegenwart und in die Zukunft zugleich aber auch zu einem Tag »der Mahnung zu Versöhnung, Verständigung und Frieden geworden ist«, wie es Paul Breuer, Landrat des Kreises Siegen-Wittgenstein und Kreisvorsitzender des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge, in seiner kleinen Ansprache ausdrückte. Mit Blick auf die steinerne Kuhmichel-Skulptur – »ein stummer Zeuge«, der den Missbrauch einer ganzen Generation und den Tod von Millionen von Menschen miterlebt habe – rückte Breuer die Erinnerung in den Mittelpunkt. Erinnern mahne, »sich für den Frieden, die Freiheit und die Gerechtigkeit stark zu machen«, betonte der Landrat.
Erinnerung ist notwendig
»Erinnerung ist notwendig, um künftig Kriege und Gewalt abzuwenden«, ergänzte Superintendentin Annette Kurschus. Wer sich Leid, Verbrechen, Angst, Schuld und Vergeben ins Gedächtnis rufe, der könne der Versuchung widerstehen, »zu verklären, zu verurteilen oder es einfach nur besser zu wissen« so Kurschus im Gedenken an rund 70 Millionen Tote, die der Erste und der Zweite Weltkrieg forderten. Es stimme, bestätigte die Pfarrerin der ev. Kirchengemeinde Gosenbach, Annette Hinzmann: »Erinnern macht nicht blind, sondern öffnet die Augen!«
Somit bedeutet der Volkstrauertag gerade für die nachgeborene Generationen die Chance, sich des Vergangenen zu erinnern und mit geschärftem Blick wachsam auf die Gegenwart zu schauen – das gelingt besonders eindringlich unter den Augen des »Wächters aus Stein«, der mahnenden Kuhmichel-Skulptur. Übrigens: Der Volkstrauertag geht auf einen Vorschlag des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge aus dem Jahr 1919 zurück. Er sollte einst an die Kriegstoten des Ersten Weltkriegs erinnern. Die Nazis machten den Tag später zum Staatsfeiertag und gaben ihm den Namen »Heldengedenktag«.
Nach der Gründung der Bundesrepublik Deutschland wurde der Volkstrauertag vom Volksbund erneut ins Leben gerufen. 1950 fand er das erste Mal wieder statt – seitdem kehrt der Feiertag jedes Jahr wieder, immer am vorletzten Sonntag im evangelischen Kirchenjahr bzw. am 33. Sonntag des katholischen Jahreskreises.

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 Freitag, 15.11.2006  Westfalenpost

"Aus Geschichte für Zukunft lernen"

 

Siegen- Gosenbach. "So mancher, der in der ersten Reihe steht, will dort nur glänzen", sagt Günter Zimmermann (62), und fügt hinzu:
"Man sollte lieber im Verborgenen seine Arbeit tun."
WR- WOCHENENDPORTRAIT Geschafft - im Zeichen der guten Sache und des Ehrenamtes - hat der gebürtige Siegener wahrlich einiges. Genug hat er indes noch nicht. Seit bald 30 Jahren engagiert sich der Ortsvorsitzende im Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge in Gosenbach, kümmert sich um die 156 Kriegsgräber und das Kriegerehrenmal 1914/1918 auf der Kreisehrenanlage. 1977 trat er ein, kurz darauf wurde er bereits zum Schatzmeister im Kreisverband bestellt, zwölf Monate später saß er auch im Bezirksverband Arnsberg.
"Kriegsgräber sind große Prediger des Friedens" - der Satz stammt von Albert Schweitzer. Zimmermann trägt ihn auf dem Herzen. Als Kind des Krieges, Jahrgang 1944, organisiert er die Haus- und Straßensammlung in Gosenbach. Zudem hält er am Volkstrauertag das Totengedenken, so auch morgen. Er selbst hat ein persönliches Verhältnis zu den im Krieg Verschollenen. "Mein Vater und seine beiden Brüder sind im Krieg gefallen. Man weiß bis heute nicht wo", sagt er.
Nicht nebenbei, sondern hauptberuflich war Zimmermann erst in einer Kanzlei tätig, ehe er 36 Jahre lang Geschäftsstellenleiter der Sparkasse Gosenbach war. Darüber hinaus ist er Kassierer der Sterbegemeinschaft und steht dem Siegerländer Ärzteverein zur Seite. Ob sein Tag mehr als 24 Stunden gehabt habe? "Nein, aber abends habe ich häufig bis 23 oder 24 Uhr gearbeitet. Da wurde meine Frau schon mal knurrig." Zumal sein Laptop beim Wanderurlaub im Allgäu stets Wegbegleiter war. Seit Dezember 2005 indes ist Zimmermann in Altersteilzeit, im nächsten Jahr geht er in Rente. "Jetzt widme ich mich meinen beiden Enkeln. Die freuen sich."
In zwei, drei Jahren möchte er auch den Ortsvorsitz der Kriegsgräberfürsorge abgeben. "Aber bisher ist noch keiner bereit, die Nachfolge zu übernehmen", sagt Zimmermann, der rund 60 Mitglieder unter sich hat. Doch die Alten werden nicht jünger. Zwar sei die Spendenbereitschaft immer noch sehr gut, aber für die Verborgenheit der ersten Reihe bewirbt sich niemand.
"Dabei gilt es, aus der Geschichte für die Zukunft zu lernen", sagt der 62-Jährige. "Die Jugend soll zwar keine Schuldgefühle mehr haben. Aber: Sie muss wissen, wo es lang gegangen ist."
Da macht es Sinn, dass morgen Schüler des Fürst- Johann-Moritz-Gymnasiums die Gedenkrede halten. Darüber hinaus werden laufend Jugendlager in baltischen Ländern angeboten. Dort übernehmen Jugendliche die Pflege einer Grabfläche, "um über den Gräbern einen Zusammenschluss mit anderen zu finden". Der verstorbene Alt-Bundespräsident Johannes Rau sagte einmal: "Die Soldatenfriedhöfe sind heute und künftig die Garanten dessen, was wir wollen: Versöhnung über den Gräbern." Dafür lohnt es sich zu arbeiten - auch im Verborgenen.
Gedenkstunde: Kreisehrenanlage, Sonntag, 11 Uhr.17.11.2006    Von Nils Hotze
Zeitungsverlag Westfalen GmbH & Co KG Essen-Dortmund

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Bericht zum Volkstrauertag 2007 in der Siegener Zeitung am 19.11.2007

Bericht der Siegener Zeitung                            

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Gosenbach - Zentrale Gedenkfeier zum Volkstrauertag auf der Kreisehrengedenkstätte 2008

Vielerorts gedachten gestern Menschen der Opfer von Krieg und Gewalt und mahnten zum Frieden.     ph.
Brauchen wir den Volkstrauertag überhaupt noch 90 Jahre nach Ende des Ersten und 63 Jahre nach Ende des
Zweiten Weltkriegs?
Diese Frage tauchte gleich mehrfach auf w
ährend der zentralen Gedenkstunde des Volksbunds Deutsche
Kriegsgräberfürsor
ge (VDK)
 auf der Kreisehrengedenkst
ätte in Gosenbach. Die Antwort war jedes Mal ein deutliches Ja.
Als Julia Sauer und Fabian Schmidt bei der Vorbereitung ihrer Gedenkrede auf die Geschichte einer Frau stie
ßen,
deren Vater im letzten Kriegswinter 1944 in P
olen sein Leben ließ, wurde den beiden Auszubildenden der Kreisverwaltung
Siegen- Wittgenstein die Tragweite des Volkstrauertags erst so richtig bewußt:
»Bedenkt man nämlich, dass niemals in
der Geschichte der Menschheit so viele
Menschen Opfer von Kriegen, Gewalt und Terroranschlägen geworden sind wie im
vergangenen und
in diesem Jahrhundert, so werden die zweifelnden Fragen an der Bedeutung dieses Tages immer leiser.«
Jeder, so die beiden jungen Redner, trage ein St
ück Verantwortung für den Frieden in dieser Welt. »Wir können nicht
dankbar genug sein, dass Deutschland seit mehr als 60 Jahren Frieden hat. Wir
dürfen aber auch nicht nachlassen,
das Recht auf Frieden und Freiheit für uns und für andere zu
fordern, die es nicht haben«, lautete ihr gemeinsamer
Appell. Das Gedenken an die Gefallenen . aber auch an die Familien, die damals auseinander gerissen wurden,
und an die Kinder und Jugendlichen, die nicht so unbeschwert aufwachsen konnten wie heute
. sollte über alles
Trennende hinweg zur
Versöhnung der Völker beitragen und als Mahnung für den Frieden dienen.
Gr
äber als steinerne Zeitzeugen und Mahnmale »erinnern uns daran, was passiert, wenn die Sprache verstummt und
statt dessen die Waffen sprechen
«. Das Vermächtnis der Verstorbenen verstand Landrat und VDK - Kreisvorsitzender
Paul Breuer auch als Auftrag, n
ämlich »alles in unserer Macht stehende« dafür zu tun, keinen neuerlichen Krieg erleben zu müssen.
Die Erinnerung an die Opfer
beinhalte auch das Bekenntnis zu einem friedlichen Europa. Daran weiter zu bauen, ermutigte Breuer ganz
besonders die junge Generation.
Drei Grundwerte r
ückte Annette Hinzmann in ihrem Grußwort in den Vordergrund: 1. Ehrfurcht vor dem Leben bewahren;
2. die W
ürde des Menschen als Ebenbild Gottes ernst nehmen; 3. die Vision vom allumfassenden Frieden nicht aus den
Augen verlieren.  
»Wir tragen heute Verantwortung dafür, dass es keinen Nährboden mehr gibt für nationale Überheblichkeit, Ausländerfeindlichkeit, Antisemitismus, Militarismus und nationalsozialistisches Gedankengut«, sagte die Pfarrerin der evangelischen Kirchengemeinde Gosenbach.
Ein bewegender Augenblick war es, als w
ährend der Kranzniederlegungen Kinder der örtlichen Grundschule gelbe Rosen
auf die Grabsteine legten. Das Totengedenken sprach der Gosenbacher VDK- Ortsvorsitzende G
ünter Zimmermann.
Musikalisch und gesanglich gestalteten der Bläserkreis
Niederschelden und der MGV »Arion« Gosenbach die Feierstunde. Mitglieder der Reservistenkameradschaft Siegen hielten Mahnwache.


                     

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VOLKSTRAUERTAG 2009
Der Krieg hat einen langen Atem
http://www.derwesten.de/static/nachrichten/10639/12582955484110/55264747_26136662_widescreen.jpg
WR.Siegen, 15.11.2009
Wir sollen die Liebe, welche wir den Toten mit ins Grab geben, nicht den Lebenden entziehen.” Unter dieses Wort von Wilhelm Raabe stellte der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge (VDK) seine zentrale Gedenkfeier an der Kreisehrengedenkstätte in Gosenbach.
Landrat Paul Breuer äußerte in seiner Ansprache Dankbarkeit, „dass wir 20 Jahre nach dem Mauerfall bereits seit 64 Jahren in Frieden leben dürfen”. Annette Hinzmann, Pfarrerin der evangelischen Kirchengemeinde Gosenbach, verwies auf die vielen derzeit immer noch geführten Kriege: „Der Weg zum Frieden fängt im Kleinen, bei uns allen, an.” Das Totengedenken sprach Elena Christian, Auszubildende der Kreisverwaltung. Das Ensemble Cantemus und der Bläserkreis Niederschelden umrahmten die Feier. MD

Lehren aus Geschichte ziehen (Bericht der Siegener Zeitung)

Gosenbach - Zentrale Gedenkfeier zum Volkstrauertag auf der Kreisehrengedenkstätte -
Der Schmerz ist der große Lehrmeister der Menschen.“ Schriftsteller Ludwig Börne (1786-1837) ph Dort, wo Anfang 1945 heftige Gefechte wüteten, wo Sprenggranaten Tod, Angst und Verzweiflung brachten, legten gestern Vormittag Kinder der Gemeinschaftsgrundschule Gosenbach gelbe Rosen nieder – Erinnerung und symbolische Mahnung zum Frieden zugleich.
Trotz strömenden Regens hatten sich gestern Vormittag etliche Menschen zur zentralen Gedenkstunde des Volksbunds Deutsche Kriegsgräberfürsorge (VDK) auf der Kreisehrengedenkstunde in Gosenbach eingefunden. Vielerorts gedachte man am Volkstrauertag in ähnlicher Weise der Opfer von Krieg, Terror und Gewalt.
Gern hätte VDK-Vorsitzender und Landrat Paul Breuer einen jüdischen Freund aus der israelischen Partnerregion Emek Hefer als Gast begrüßt. Doch aus der Sorge heraus, dass sein über 80-jähriger Vater es wohl kaum ertragen hätte, wenn sein Sohn an den Gräbern deutscher Soldaten eine Rede halte, verzichtete Jonathan Scherzer. Paul Breuer zeigte großen Respekt vor dieser Haltung. Sie verdeutliche aber zugleich, wie tief selbst 64 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs die Wunden der gepeinigten Opfer noch säßen: „Lasst uns dafür eintreten, sie zu heilen!“
Dazu beizutragen, Blutvergießen zu beenden, Not zu lindern und Versöhnungsprozesse voranzutreiben, betrachtete der VDK-Kreisvorsitzende als Verpflichtung: „Wenn wir helfen können, Menschen vor Gewalt und Terror zu schützen, dann müssen wir es tun.“ Es sei „eine Lehre unserer eigenen Geschichte, nicht beiseite zu stehen und wegzuschauen, sondern uns der Verantwortung zu stellen und uns in die Gemeinschaft mit anderen Nationen einzubringen“.
Aufrichtiges Gedenken, so Breuer, setze Mitgefühl voraus. Gewalt beschränke sich nicht auf Krieg. Sie herrsche überall: auf offener Straße, in der Schule, selbst im eigenen Zuhause. Der Landrat mahnte, die Fähigkeit, Mitgefühl zu zeigen, nicht zu verlieren. Sei doch gerade diese Fähigkeit das Fundament für eine Gemeinschaft, die zusammen halte und in der nicht weggeschaut werde. Sie sei der Grundstein auch für Zivilcourage und Widerstand gegen Unrecht.
Der Weg zum Frieden, griff Annette Hinzmann als Pfarrerin der örtlichen ev. Kirchengemeinde den Faden auf, beginne im Kleinen, nämlich bei jedem selbst. Die Überwindung von Gewalt – eine schwärmerische Illusion? Mitnichten, so die Theologin. Ihre Überzeugung fußte auf den christlichen Grundwerten, auf einer Kultur der Friedfertigkeit, zu der Jesus einlade.

  Elena Christian, Auszubildende bei der Kreisverwaltung, sprach das Totengedenken.

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Volkstrauertag : Eine gelbe Rose auf die Gräber

Siegen, 14.11.2010, Manfred Dornseifer

http://www.derwesten.de/img/3941685-1257009436/0273_543_35039834-106-543x199.jpg  Bild WP   

Siegen-Gosenbach.
Mit der zentralen Gedenkfeier an der Kreisehrengedenkstätte in Gosenbach gedachte der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge
(VDK) am Volkstrauertag der Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft.

Der 1922 erstmals begangene Volkstrauertag mahnt zu Versöhnung, Verständigung und Frieden. Die
Nazis widmeten ihn zu einem „Heldengedenktag“ um. Nach Gründung der Bundesrepublik wurde
der Volkstrauertag vom Volksbund wiederbelebt. Seit 1950 wird er jeweils am Sonntag zwei Wochen vor
dem ersten Advent begangen. „Viele Menschen in unserer heutigen Gesellschaft wissen mit dem Volkstrauertag nichts
mehr anzufangen“ sagte Landrat Paul Breuer in seiner Gedenkrede, „man hat es ihnen nie nahe gebracht.“

Und es seien nicht nur die jungen Menschen, die mit diesem Tag große Schwierigkeiten haben. Denen, die der Meinung
sind, dass ein Volkstrauertag nach einer so langen Zeit ohne Krieg nicht mehr notwendig sei, antwortete Breuer:
„Im Gegenteil. Der Volkstrauertag gibt uns allen Gelegenheit, über Vergangenes nachzudenken und gleichzeitig den Blick
für die Gegenwart und die Zukunft zu öffnen.“

Worte des Gedenkens sprach auch Annette Hinzmann, Pfarrerin der evangelischen Kirchengemeinde Gosenbach:
„Erinnern ist überlebenswichtig. Darum brauchen wir diesen Tag. Aber die Erinnerung an die Opfer ist auch immer:
Erinnern an die Täter, Erinnern an Schuld.“ Hinzmann erinnerte daran, dass es an einem solchen Tag darum gehen
muss, andere Wege im Zusammenleben der Völker und Nationen, der Religionen und Weltanschauungen zu finden,
als Konflikte mit dem Griff zur Gewalt der Waffen, „seien es Steine oder vermeintlich so zielgenaue Hightech-Raketen“,
zu lösen. Das Totengedenken für die 167 Kriegstoten, die im Mai 1952 aus 47 Gemeindebezirken umgebettet und
zur Gosenbacher Ehrenanlage gebracht wurden, sprachen die Auszubildenden der Kreisverwaltung Siegen-
Wittgenstein, Alexandra Wittig und Lukas Bröcher. Außerdem wirkten der Bläserkreis Niederschelden und der
Männerchor 1853 Eiserfeld mit. Kinder der Grundschule Gosenbach legten gelbe Rosen auf die 81 Grabkreuze –
 je ein Kreuz für zwei Kriegstote.

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        18.11.2012 Bericht der Siegener Zeitung                                      

Auszubildende der Kreisverwaltung legten gestern im Rahmen der Gedenkstunde zum Volkstrauertag Rosen auf die Steinkreuze der
Kreisehrengedenkstätte in Gosenbach. Foto: dima

 Gedenkstunde zum Volkstrauertag   "Die Botschaft ist Frieden"

Gosenbach. "Für Kinder ist das heute ein ganz normaler Sonntag", sagte Annette Hinzmann, Pfarrerin der ev. Kirchengemeinde Gosenbach, gestern auf der Kreisehrengedenkstätte, kurz bevor Auszubildende der Kreisverwaltung gelbe Rosen auf die steinernen Kreuze der Soldatengräber legten. Doch die Geschichte des Volkstrauertages müsse immer wieder neu erzählt werden, so die Geistliche in ihren Gedenkworten. "Damit wir daraus lernen können für die Zukunft."

dima - Die Gedenkstunde zum Volkstrauertag auf der Kreisehrengedenkstätte in Gosenbach hat ihre eigenen, immer wiederkehrenden Rituale. Feierliche Blasmusik, dargeboten vom Bläserkreis Niederschelden, Kranzniederlegungen, Chorgesang vom Gemischten Chor der Kreisverwaltung "SiWi Vokal", die Ehrenformation der Reservistenkameradschaft Siegen und sogar das neblig-trübe Siegerländer Novemberwetter. Aber auch die tiefe Ergriffenheit der Gäste der Gedenkstunde kehrt immer wieder, ist jedesmal aufs Neue zu spüren, wird nahezu greifbar. Zum Beispiel in dem Moment, in dem Roja Murtaza und Funda Cinar, zwei Auszubildende der Kreisverwaltung, der Toten gedachten; oder als Schüler des Berufskolleges Technik ihre Gedanken zum Volkstrauertag beschrieben.

Der Trauer einen Raum geben
Der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge hatte zur Gedenkstunde nach Gosenbach eingeladen. Schnell wurde deutlich: Vor 60 Jahren eingeführt, hat der Tag nichts von seiner Aktualität verloren. Über 100 Bundeswehrsoldaten hätten inzwischen im Ausland ihr Leben verloren. Aber, so Annette Hinzmann: "Er hat sich verändert, dieser Tag." Schließlich habe der Volkstrauertag 40 Jahre lang unter der Spannung der verschiedenen Denkrichtungen in Ost und West gelitten. "Wir haben Grund, der Trauer einen Raum zu geben", sagte Landrat Paul Breuer in seiner Begrüßungsrede als Kreisvorsitzender des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge. 

Vor 70 Jahren in Stalingrad
Er erinnerte zu Beginn der Gedenkstunde an die Tragödie von Stalingrad. Vor 70 Jahren endete der deutsche Angriff auf Stalingrad, so Breuer. "Die 6. Deutsche Armee war eingeschlossen", so der Landrat. Briefe der Soldaten, die nie ihre Adressaten erreichten, aber erst kürzlich veröffentlicht worden seien, zeugten von einer Verzweiflung, die größer kaum vorstellbar sei. Der Opfer der Konzentrationslager, der Opfer der Euthanasie, der Opfer des Widerstands gegen das Unrechts, aber auch der Opfer der Bombardierung Dresdens gedachte Breuer und betonte dabei: "Die Botschaft des Volkstrauertages ist Frieden." Und dieser beginne schon im Kleinen, in der Familie, der Nachbarschaft, dem Dorf.
Landrat Paul Breuer gestern in Gosenbach: "Der Friede entsteht nur durch uns."

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Gedenkstunde zum Volkstrauertag auf der Kreisehrengedenkstätte in Siegen-Gosenbach

Bericht Siegener Zeitung vom 18.11.2013

    Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge

Gosenbach. Die zentrale Veranstaltung des Kreisverbands Siegen fand einmal mehr auf der Kreisehrengedenkstätte in Gosenbach statt.

ph -  Der Volkstrauertag ist nicht nur für Alte da, sondern auch – oder gerade – für junge Menschen. Seit 1952 staatlicher Gedenktag, gehört er zwei Sonntage vor dem 1. Advent zu den sogenannten „stillen Tagen“. Was nicht heißt, dass man still hinwegsehen sollte über die unzähligen Kriegstoten und Opfer von Gewaltherrschaft, Verfolgung und Vertreibung in aller Welt und zu allen Zeiten.

Viele Veranstaltungen im gesamten Kreisgebiet
So fanden sich am Sonntag auch in der heimischen Region 68 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs viele Menschen auf Friedhöfen, Ehrenmalen oder in Kirchen zusammen, um gemeinsam zu gedenken, zu mahnen, zu beten. Musikalisch untermalten der Bläserkreis Niederschelden und der Chor der Kreisverwaltung,  „SiWi Vokal“ die zentrale Feierstunde. Mitglieder der Reservistenkameradschaft Siegen hielten dazu mit Fackeln die Mahnwache.

Mitten im Leben vom Tod umgeben
„Das Geheimnis der Versöhnung“, sagte Landrat Paul Breuer, „heißt Erinnerung.“ Doch die dürfe, trotz immer größerer zeitlicher Entfernung zu den beiden Weltkriegen, nicht verblassen. Gräueltaten von Menschen an Menschen seien bis heute an vielen Orten der Erde allgegenwärtig. „Mitten im Leben sind wir vom Tod umfangen“, sagte die Pfarrerin. Kreuze, Kränze und Blumen seien kleine Zeichen der Trauer – leider gebe es zur selbigen immer wieder neue Anlässe in dieser Welt.

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Medienberichte zum Volkstrauertag 2014

„Nur das Erinnern ist fruchtbar, welches daran erinnert, was noch zu tun ist.“   
   Philosoph Ernst Bloch



16.11.2014
 Volkstrauertag    Größte Gedenkfeier des Kreises in Gosenbach

 Am heutigen Volkstrauertag wird auch in Siegen-Wittgenstein der Toten der beiden Weltkriege gedacht. Außerdem soll dabei auch an die vielen Menschen erinnert werden, die sich aktuell in Kriegsgebieten befinden. Die größte Gedenkfeier wurde vom Kreisverband der Deutschen Kriegsgräberfürsorge an der Kreisehrengedenkstätte in Gosenbach veranstaltet. Unter anderem hielt Landrat Andreas Müller eine Rede. Auch an vielen anderen Orten in Siegen-Wittgenstein fanden Gedenkstunden statt oder werden heute Mittag noch veranstaltet.
(Quelle: Radio Siegen)

 

Gedenkstunde zum Volkstrauertag auf der Kreisehrengedenkstätte in Gosenbach

(wS/sw) Siegen-Wittgenstein – Am Volkstrauertag gedenken jedes Jahr deutschlandweit viele Menschen den Opfern der beiden Weltkriege, von Gewalt und Terror. Gleichzeitig mahnt dieser Tag, sich für einen dauerhaften Frieden einzusetzen – gerade auch jetzt, wo an zahlreichen Orten dieser Erde Krieg, Gewalt, Vertreibung und Hass herrschen.

Der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V., Kreisverband Siegen-Wittgenstein, lädt am kommenden Sonntag, 16. November 2014, 11.15 Uhr, zu einer Gedenkstunde auf der Kreisehrengedenkstätte in Siegen-Gosenbach ein. Sie wird vom Bläserkreis Niederschelden und SiWi Vokal, dem Gemischten Chor der Kreisverwaltung Siegen-Wittgenstein, musikalisch gestaltet.

Nach einer Begrüßung durch Landrat Andreas Müller folgen Worte des Gedenkens von Pfarrer Ludwig Reffelmann. Anschließend folgen das Totengedenken und die Kranzniederlegung. Schüler des Gymnasiums am Löhrtor Siegen legen zum Ende der Veranstaltung Rosen nieder.
Landrat Andreas Müller lädt alle Interessierten herzlich zur Teilnahme an der Gedenkveranstaltung ein.
(Quelle: wirSiegen.de)

)
(Foto: Siegener Zeitung)

Gedenkstunde zum Volkstrauertag 16.11.2014

Erinnern als Friedensgrundlage

Gosenbach. Im Rahmen der Gedenkstunde auf der Kreisehrengedenkstätte in Gosenbach lasen Schüler aus den Briefen gefallener Siegerländer Soldaten vor.

dima - „Was hat der russische Soldat mir getan?“ Josef Schneider stellte seiner Mutter diese Frage. In seinem letzten Brief von der Front in Russland, geschrieben am Weihnachtstag 1942. Noch einmal hatte die Siegerländer Familie ihrem Sohn ein Weihnachtspäckchen geschickt. Zum letzten Mal. Ein weiterer Soldat fragte seine „liebe Mutter“ – ebenfalls in einem Brief von der Front – nach dem Verbleib des Bruders, doch der war bereits vor sechs Wochen gefallen.

Gestern erwachten die Zeilen gefallener Siegerländer Soldaten zum Leben. Vorgetragen wurden sie von Schülern des Löhrtor- Gymnasiums an der Kreisehrengedenkstätte in Gosenbach, im Rahmen einer Gedenkstunde, zu der der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge, Kreisverband Siegen-Wittgenstein eingeladen hatte. Es regnete. Dunkle Wolken verdeckten die Sonne. Nur noch wenige Blätter hingen an den Bäumen. Ein grauer Volkstrauertag, dessen Bedeutung mit diesen Zitaten sehr persönliche Farben erhielt und spürbar für tiefe Ergriffenheit bei den zahlreichen Gästen in Gosenbach sorgte.

„Nur wer die Vergangenheit kennt, hat eine Zukunft“, zitierte Landrat Andreas Müller in seiner Begrüßungsansprache den Gelehrten und Staatsmann Wilhelm von Humboldt. „Damit wir alle unsere Vergangenheit kennen und uns auch daran erinnern, begehen wir jedes Jahr Mitte November den Volkstrauertag“, so Müller weiter. Seit knapp 70 Jahren herrsche bei uns Frieden. „Man gewöhnt sich auch daran.“ Doch dann würden Dinge geschehen, wie in der Ukraine, in Syrien oder im Irak. Und die machten deutlich, dass Friede doch nichts Selbstverständliches sei. Ihn zu bewahren sei harte Arbeit. Und das Erinnern liefert die Grundlage dafür.

Umrahmt von den Klängen des Bläserkreises Niederschelden und des Chors der Kreisverwaltung sprach Ludwig Reffelmann, Pfarrer der katholischen Kirchengemeinde St. Peter und Paul Siegen, Worte des Gedenkens. Krieg sei nie der Weg, um Probleme zu lösen, sondern nur um welche zu schaffen. Dabei könne man einen Menschen auch fertig machen, ohne einen Schuss abzufeuern. Nur mit Worten. Der Frieden im Großen benötige den Frieden im Kleinen. Und umgekehrt. Dirk Manderbach.
(Quelle: Siegener Zeitung 17.11.2014)

 Der Frieden im Großen brauche den Frieden im Kleinen. Und umgekehrt. Pfarrer Ludwig Reffelmann wünschte sich am Sonntag auf der Kreisehrengedenkstätte in Gosenbach mehr Toleranz auf der Welt, eine „Entfeindungsliebe“, die es möglich mache, auf den anderen derart zuzugehen, „dass ich ihn gar nicht mehr als Feind betrachte, egal, wie falsch er sich verhält“.

Leider gebe es auch heute „weiß Gott“ immer noch zu viele Menschen, die unter Krieg und Vertreibung litten. „Was muss noch alles an Leid geschehen?“, fragte der Geistliche in die Runde, bis die Menschen endlich vernünftig würden. Eine Antwort bekam er im Rahmen der Feierstunde zum Volkstrauertag freilich nicht.

167 Kriegstote

Landrat Andreas Müller erinnerte mit Wilhelm von Humboldt daran, dass nur der eine Zukunft hat, der auch die Vergangenheit kennt und mahnte, aus dem Schicksal jener zu lernen, denen an diesem Tag und im Rahmen der Kreisehrengedenkstätte gedacht wird. Trotz 70 Jahre Frieden in Mitteleuropa zeigten die Ereignisse in der Ukraine oder in Syrien, wie wenig selbstverständlich dieser Zustand tatsächlich sei, dass er immer wieder erarbeitet werden müsse. 167 Kriegstote und das Ehrenmal mit 52 Namen aus dem Ersten, sowie ein Sarkophag mit den Namen von 78 gefallenen Gosenbachern aus dem Zweiten Weltkrieg stünden für einzelne Schicksale, deren Erinnerung durch den Lauf der Zeit bald nur noch in dieser Form lebendig bleibe. „Umso wichtiger sind steinerne Zeugen wie hier in Gosenbach“, sagte Andreas Müller weiter und forderte zugleich Wachsamkeit in der Gegenwart, gegen Rassismus und braune Strippenzieher, die etwa hinter den aktuellen Hooligan-Auftritten stünden, die mit „einer pauschalen Angstmache gegen den Islam“ aufträten.

Zugleich freute Landrat Müller sich über gemeinsames Gedenken der Kriegsgegner von einst und das Engagement von Schülern, wie denen des Siegener Löhrtor-Gymnasiums, die gemeinsam mit dem Kreisverband des Volksbunds Deutsche Kriegsgräberfürsorge eine beeindruckende Ausstellung zum 1. Weltkrieg („Geblüht, verwelkt, zerstört”) erarbeitet hatten.

Letzte Briefe eines Soldaten

Einige der Schüler lasen gestern Gedichte von Friedrich Schorlemmer und Johannes R. Becher, vor allem aber auch die letzten Briefe junger Siegerländer, die im Zweiten Weltkrieg in Russland gefallen waren. Zeilen der Hoffnung auf einen baldigen Frieden und die sichere Heimkehr waren das, Sorge um die Eltern, die ohne ihre Söhne die Ernte einbringen müssen und einmal auch ein deutliches Bekenntnis zum Glauben.

Es mache „doch keinen Spaß mehr“, hatte einer geschrieben, und er wolle doch nicht noch einen Winter im Osten verbringen…

Mit der Kranzniederlegung ging die Feierstunde wie immer zu Ende. Dabei wurde noch einmal aller Opfer von Krieg und Vertreibung bis heute gedacht und auch die Toten und Gefallenen der Bundeswehr-Einsätze fanden erst an dieser Stelle ihre Erwähnung. Die Schüler legten Rosen auf die Grabsteine, während der Bläserkreis Niederschelden Uhlands und Silchers „Guten Kameraden“ und danach das Irische Segenslied intonierte. Aus den graubedeckten Himmel grollten Flugzeugmotoren.

Michael Kunz 

  

(Quelle: WAZ 17.11.2014)

Volkstrauertag am 15. November 2015

Kriegsgräberstätte Siegen - Gosenbach


Totengedenken

von Bundespräsident Joachim Gauck bei der zentralen Gedenkveranstaltung zum Volkstrauertag im Plenarsaal des Deutschen Bundestages

Wir denken heute an die Opfer von Gewalt und Krieg, an Kinder, Frauen und Männer aller Völker.

Wir gedenken der Soldaten, die in den Weltkriegen starben, der Menschen, die durch Kriegshand­lungen
oder danach in Gefangenschaft, als Vertriebene und Flüchtlinge ihr Leben verloren.

Wir gedenken derer, die verfolgt und getötet wurden, weil sie einem anderen Volk angehörten,
einer anderen Rasse zugerechnet wurden, Teil einer Minderheit waren oder deren Leben
wegen einer Krankheit oder Behinderung  als lebensunwert bezeichnet wurde.

Wir gedenken derer, die ums Leben kamen, weil sie Widerstand  gegen Gewaltherrschaft geleistet haben,
und derer, die den Tod fanden, weil sie an ihrer Überzeugung oder an ihrem Glauben festhielten.

Wir trauern um die Opfer der Kriege und Bürgerkriege unserer Tage, um die Opfer von Terrorismus und
politischer Verfolgung, um die Bundeswehrsoldaten und anderen Einsatzkräfte, die im Auslandseinsatz ihr
Leben verloren.

Wir gedenken heute auch derer, die bei uns durch Hass und Gewalt gegen Fremde und Schwache Opfer
geworden sind.

Wir trauern mit allen, die Leid tragen um die Toten und teilen ihren Schmerz.

Aber unser Leben steht im Zeichen der Hoffnung auf Versöhnung unter den Menschen und Völkern, und
unsere Verantwortung gilt dem Frieden unter den Menschen zu Hause und in der ganzen Welt.

                                                                                                                                                 

mir M
Eine beklemmende Stille lag gestern über der Kreisehrengedenkstätte, die jährliche Feierstunde am Volkstrauertag hatte eine besondere Note: „Wir sind dankbar für 70 Jahre ohne Krieg. Umso schwerer wiegen die Pariser Terroranschläge", erklärte Landrat Andreas Müller, und die zahlreicher als sonst in den Vorjahren gekommenen Teilnehmer hörten genau hin. „Wir gedenken aller Menschen, die durch Gewalt ihr Leben verloren haben."

Zugleich erinnerte er an die zwei heftigsten Konflikte der jüngsten Vergangenheit, die militärischen Auseinandersetzungen in der Ukraine und den Bürgerkrieg in Syrien. Krieg sei nur die Fort­setzung der Politik mit anderen Mitteln, das habe einmal der preußische Generalmajor Carl Philipp Gottlieb von Clausewitz gesagt. „Da krieg ich das Grausen", so Müller.

Grausen, das dürfte auch richtige Wort sein für die Schilderungen in den Briefen der 18-jährigen Barbara an ihren Freund, einen Jagdflieger. Mehrere Schüler des Siegener Löhrtor-Gymnasiums lasen aus diesen 1943 verfassten Zeilen vor. Eben diese Barbara schilderte das Erlebte im Luftschutzbunker, der zum schulischen Dauerquartier geworden war, sie schrieb über die Schulstunde mit dem Thema „Recht auf Lebensraum" und das Sire­nengeheul mit folgendem Bombenangriff.

Schlimmes habe sie gesehen, etwa an der Möhnetalsperre, schrieb die junge Frau 1943 an ihren fliegenden Freund, der aber nicht in die Heimat zurückkehren sollte. Abgestürzt im brennenden Flugzeug, seither vermisst.

Auch Annette Hinzmann, die Pfarrerin der ev. Kirchengemeinde Gosenbach, kam auf konkrete Einzelheiten zu sprechen, sie erzählte kurz über die Toten in der eigenen Familie, die der Zweite Weltkrieg gefordert hatte.

Bewusst gedachte sie aller Menschen, die sich gegen die Barbarei aufgelehnt haben. 55 Millionen Opfer habe der Zweite Weltkrieg auf der Welt gefordert, sechs Millionen Juden seien von den Nazis getötet worden, 14 Millionen deutsche Vertriebene hätten ihre Heimat verloren.

Mit Bezug auf die aktuellen Gescheh­nisse rief sie dazu auf, „wir müssen Hüter sein der Flüchtlinge, aber auch der jüdischen Gemeinden. Und hütet Euch vor denen, die mit der Zunge hetzen. Ihnen muss Einhalt geboten werden."

Mit Reden allein war es gestern an der Gedenkstätte nicht getan. Auf den Stein­kreuzen zu Ehren der dort bestatteten 162 deutschen  Kriegstoten des Zweiten Welt­kriegs legten die Gymnasiasten weiße Ro­sen nieder. Mitglieder der Reservisten Kameradschaft standen mit Fackeln Spalier.



                                                      
                                                                                                                         

Der Chor der Kreisverwaltung (SiWi Vokal) trug zum Volkstrauertag passende Lieder vor, und der Bläserkreis Niederschelden gab der Veranstaltung mit seinen
musikalischen Einlagen einen betont würdevollen Rahmen, ehe die gestrigen Teilnehmer still und in Gedanken die Gedenkstätte verließen.

 

 

 

 

 

 

 

   

 

 

 

Volkstrauertag 2017 auf der

Kreisehrengedenkstätte  Gedenkstunde zum Volkstrauertag

            
Schüler des Löhrtor-Gymnasiums legten auf jedes der Kriegsgräber eine gelbe Rose zur Erinnerung an die Opfer von Krieg, Gewalt und Terror. Foto: Tim Lehmann
Gosenbach. „Krieg – diese Erfahrung braucht niemand,“ sagte Landrat Andreas Müller bei der Gedenkstunde zum Volkstrauertag auf der Kreisehrengedenkstätte.
tile - „Bewahre uns davor, das Gewesene zu vergessen“, betete Annette Hinzmann. In ihren Worten des Gedenkens erinnerte die Pfarrerin der ev.-ref. Kirchengemeinde Gosenbach zum Volkstrauertag an all die Leben, die geprägt wurden von Not, Leid und Zerstörung und die dabei körperlichen und seelischen Schaden genommen haben. Aber der Mensch sei so beschaffen, dass er Angst in etwas Positives verwandeln könne. Sie wünschte sich, dass die Lehre aus dem Unfassbaren in jedwedem kriegerischen und terroristischen Akt ihren Weg in das Leben der Menschen finde: Der Friede im Denken und Handeln solle zur Grundlage des Alltags werden.

„Kein friedlicher Ort“
Auf der Kreisehrengedenkstätte in Gosenbach stellte Landrat Andreas Müller fest: „Diese Welt ist kein friedlicher Ort; und ich weiß nicht, ob sie es jemals sein wird. Was ich aber weiß, ist, dass wir etwas dafür tun können.“ Jeder Gefallene sei Mahnung und Aufforderung, Zivilcourage und Rückgrat zu zeigen. Denn: „Krieg – diese Erfahrung, braucht niemand.“

„Seien wir empathisch!“
Wie wichtig das Sich-Erinnern auch für nachrückende Generationen ist, machten drei Schüler des Löhrtor-Gymnasiums überraschend nachdrücklich deutlich. Die mediale Übersättigung mit Krieg, Gewalt und Terror führe zu einer Abstumpfung, kritisierte Tristan Vitt. Dabei müsse man sich doch „immer bewusst machen, dass Krieg bedeutet, dass Menschen sterben, ihre Heimat verlieren“. Die Folgen seien auch bei uns tagtäglich zu sehen – in den Schicksalen der nach Deutschland geflüchteten Menschen. Friede in der Welt müsse das oberste Ziel sein. Dafür forderte er: „Seien wir empathisch!“

 
Landrat Andreas Müller bei der Kranzniederlegung



Gedenken, erinnern – und die Gegenwart im Blick haben

Von Michael Kunz

19.11.2017 -

Foto: Michael Kunz

Die Schüler des Löhrtor-Gymnasiums – am Rednerpult Tristan Vitt – warnen an der Kreisehrengedenkstätte vor einer Abstumpfung gegenüber dem Grauen des Krieges durch die täglichen Flut der Schreckensbilder.

Gosenbach.   Bei der Gedenkstunde zum Volkstrauertag an der Kreisehrengedenkstätte in Gosenbach richten die Redner den Blick auf aktuelle Krisen und Konflikte.

Jeden Tag Berichte über Krieg und Terror in den Medien, das macht gleichgültig und sorgt für Abstumpfung. Von diesen Empfindungen sprach gestern Tristan Vitt, Schüler des Löhrtor-Gymnasiums, bei der jährlichen Gedenkstunde zum Volkstrauertag, zu der sich wieder viele Vertreter aus Politik und Gesellschaft an der Kreisehrengedenkstätte in Gosenbach versammelt hatten. Diese Gleichgültigkeit sei gefährlich, dürfe nicht zum Allgemeingut werden, warnte der junge Siegener und forderte die Gesellschaft zu mehr Empathie auf.

Die Zeitzeugen werden weniger

Seine Mitschülerin Jule Bäumer dankte ganz direkt für das tägliche Geschenk, in Frieden leben und einfach auf die Straße gehen zu können; zu wissen, dass ihr Vater abends von der Arbeit nach Hause komme und sie keine Angst um ihn haben müsse. Das sei für jene Menschen, deren in Gosenbach und allgemein an diesem Tag gedacht werde, nicht so gewesen.

Zwei Onkel ihrer Großmutter seien namentlich in der Gedenkstätte vertreten, brachte sie das allgemeine Gedenken auf eine sehr konkrete Basis. Sie erinnerte daran, dass ihre Generation zu den letzten gehöre, die noch Menschen persönlich begegnen könne, die jene Kriegszeiten erlebt hätten. Das bringe große Verantwortung mit sich, das Andenken für kommende Jahrgänge lebendig zu halten. Als dritte Vertreterin der Schule trug Olivia Icyuez einen Text über „Warten auf Entwarnung“ vor.

Der Auftritt der Jugendlichen war einmal mehr ein Höhepunkt der traditionellen Feierstunde, die mehr als je zuvor im Zeichen der gegenwärtigen Kriege und Krisen stand. Schon Landrat Andreas Müller stellte als erster Redner den Bezug zur Bundeswehr her, verwies darauf, dass seit deren Gründung 3200 Frauen und Männer gefallen seien, an die in Berlin mit einem ganz besonderen Denkmal erinnert werde. Dies sei ein deutlicher Beweis dafür, dass die Welt seit 1945 keineswegs friedlich geworden sei.

In Deutschland herrsche seit mehr als 70 Jahren Frieden, praktisch niemand könne sich Grauen und Schrecken eines Krieges mehr vorstellen, „das wünsche ich auch niemandem“. Er wisse nicht, ob es jemals eine Welt ohne Krieg geben werde, führte Andreas Müller aus. Wichtig sei aber, im Kleinen und direkt vor Ort Gemeinsamkeit und Miteinander zu leben, gegen Hass, Fanatismus und Rassismus zu kämpfen, aktiv zu sein und jenen entgegenzutreten, die bewusst Zwietracht säten und den Frieden bedrohten.

Erinnern als Teil des Menschseins

Pfarrerin Annette Hinzmann (ev. Ref. Kirchengemeinde Gosenbach) warnte davor, der Versuchung zu erliegen, Gewalt wieder zu einem Mittel der Problemlösung zu machen. Krieg dürfe es „um Gottes Willen“ nicht mehr geben. Sie wünschte sich von den Menschen mehr Mut und Haltung, eine größere Bereitschaft, auf andere zuzugehen, mehr zu vertrauen und mehr Geduld mit anderen zu haben. Es müssten Brücken gebaut werden, statt sofort Front gegen Andersdenkende zu machen. Erinnern gehöre zu einem Menschen, hob sie die Bedeutung des Gedenktags hervor und nannte ebenfalls neben den Toten der beiden Weltkriege und den Opfern von Terror und Vertreibung ausdrücklich die Gefallenen der Auslandseinsätze der Bundeswehr seit 1955.

 

 

 

   

 

 

                 

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Stand: 20.11.17